Wir sind keine Barbaren

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© Sebastian Hoppe

 

WIR SIND KEINE BARBAREN (Philipp Löhle)
Düsseldorfer Schauspielhaus, Premiere 19. März 2016


Mitgefühl oder Selbstverwirklichung? Das große Ganze oder das kleine Glück? Das Weltbild zweier benachbarter Paare gerät ins Wanken, als eine der Frauen einen Flüchtling in der Wohnung aufnimmt. Dabei hätte alles so schön sein können: Die Männer begeistern sich für Riesenflachbildschirme, die Frauen für Yoga und Pilates. Beim Prosecco plaudert man über Wasserfilter und vegane Ernährung. Doch als eines Nachts ein Fremder an die Tür klopft und Barbara ihn nicht nur in der Wohnung einquartiert und umsorgt, sondern geradezu besessen von dem Leid des Vertriebenen zu sein scheint und die egoistische, engherzige Haltung der anderen geißelt, ist es vorbei mit der Höflichkeit: Der Gast könnte ja einfach ein Schmarotzer sein, Frauenverführer oder Gewalttäter. Und wie heißt er denn genau – Bobo oder Klint? Kommt er aus Asien oder Afrika? Ist er schwarz oder nicht – und hat er einen Ausweis dabei? Wenig später verschwindet Barbara, und der Flüchtling auch. Für den Heimatchor, gebildet aus Düsseldorfer Bürgern, steht das Urteil fest:

Alle wollen haben was WIR haben
WIR
Dürfen keine Hoffnung machen
WIR
Dürfen kein Anreiz sein
WIR
Müssen uns schützen
WIR
Müssen uns verteidigen
WIR
können nicht noch mehr zulassen

Den Heimatchor bilden Vronia Amarantidis, Bianca Bruchmann, Leander Glaw, Astrid Henning, Brigitte Hofmann, Katrin Junge, Petra Küssner, Gisela Lang, Oliver Lukac, Emilio Maestro, Hans Meyer-Rosenthal, Jochen Moser, Claudia Münch, Alexandra Peschke, Jasmin Pilato, Roger Reade, Norman Schwarz, Maryam Vaghefi-Hosseini, Maria Wollburg, Emilia Zielinski und Nina Zielinski.

PRESSESTIMMEN
Zündend und pointensicher bringt Kraushaar das Wechselspiel zwischen Chor und den Figuren auf den Punkt. Einen bitterböser Polit-Boulevard-Abend von 90 Minuten beschert die neue Premiere, die ein weiterer Erfolg für das Schauspielhaus ist.
Westdeutsche Zeitung, 21.03.2016

Die beiden Pärchen sind klischeehaft und dennoch ätzend treffend gezeichnet als biedermeierlich durchschnittliche Luxuseuropäer: […] Das Stück Wir sind keine Barbaren! spielt mit der vermeintlichen Zivilisiertheit des Mitteleuropäers. Und damit, wie schnell sie sich in Luft auflöst. Zunehmend hören sich die Verse des Heimatschors an wie AfD-Parteiparolen. Das Stück bringt auch zwei Jahre nach Uraufführung die überreizten Diskurse der letzten Monate auf den Punkt.
Deutschlandfunk, 20.03.2016

Jonas Gruber ist hübsch zerknirscht der angepasste Mario an ihrer Seite, der sich vor allen für seinen gigantomanischen Fernseher interessiert und seine Frau halt Menschen retten lässt. Bettina Kerl ist mit vollem Eifer die fitte Linda, die sich über den Kalkgehalt ihres Trinkwassers mehr Sorgen macht als über das Schicksal eines Illegalen und ihre Mitleidlosigkeit aggressiv verteidigt. Dirk Ossig gibt jovial den prolligen Paul, der schon mal einen Panikraum zimmert. Für demnächst, wenn die Afrikaner kommen. Das ist bitter lustig und trifft die Zeit, denn längst herrscht ja auch in Deutschland dieses »Man wird ja wohl mal sagen dürfen«-Klima, die Wirklichkeit hat selbst die absurden Argumentationslinien des Stückes längst eingeholt.
Rheinische Post, 21.03.2016

Mit seiner Komödie „Wir sind keine Barbaren!“ kitzelte Philipp Löhle 2014 den Nerv der Zeit. Jetzt ist das Werk flott gespielt auch in Düsseldorf zu sehen.
NRZ / WAZ, 21.03.2016

BESETZUNG UND TEAM
Barbara / Anna – STEPHANIE ROESNER
Mario – JONAS GRUBER
Linda – BETTINA KERL
Paul – DIRK OSSIG
An den Tasten – KLAUS-LOTHAR PETERS
Regie – MONA KRAUSHAAR
Bühne – KATRIN KERSTEN
Kostüme – NINI VON SELZAM
Dramaturgie – BARBARA NOTH
Chorleitung – TIM WITTKOP
Arrangements und musikalische Einstudierung – KLAUS-LOTHAR PETERS