März, ein Künstlerleben

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© Sebastian Hoppe

 

MÄRZ, EIN KÜNSTLERLEBEN (Heinar Kipphardt)
Schauspielhaus Düsseldorf, Premiere 24. April 2015


Der Dichter Alexander März wird eines Morgens christusgleich im Apfelbaum hängend gefunden. Wie fließend die Grenzen von Wahnsinn und Kunst sind, lässt sich am Leidensweg dieses schizophrenen Künstlers ablesen, für den Kunst immer wieder Heilung und Erlösung bedeuten kann. Der beschützende Instinkt seiner Mutter lastet ebenso auf dem hochsensiblen Künstler wie das enttäuschte Auge seines Vaters, dem der Sohn nie etwas recht machen konnte und kann. Die innere Emigration in den Klinikaufenthalten überwindet der Künstler März nur zeitweise in seiner Liebe zur unberührbaren Hannah, einer Mitpatientin, die wieder und wieder ihrem Verfolgungswahn erliegt. So klar und rein sind die Betrachtungen des Poeten und Patienten März, so sensibel und eigenwillig, dass die Unterschiede zwischen Arzt und Patient verschwimmen und wir uns fragen: Ist das schon Wahn oder noch Kunst?

Heinar Kipphardts März, ein Künstlerleben wurde 1980 am Düsseldorfer Schauspielhaus in der Regie von Roberto Ciulli uraufgeführt. Der Text basiert auf der wahren Geschichte des schizophrenen Autors Ernst Herbeck, der unter dem Pseudonym Alexander Herbich Gedichte schrieb. Sein Psychiater Dr. Leo Navratil veröffentlicht seine Krankengeschichte nebst den Gedichten.

 

PRESSESTIMMEN
Wie die Aufführung abnorme Spielarten des seelischen Seins anspielt, fächert eine Bandbreite von Pathologien auf; wie sie inneren Stimmen und Halluzinationen nachgeht, nimmt dem Stück das Dokumentarische. Die Figuren werden nicht vorgeführt, sondern uns nahegebracht: als Individuen, nicht als Krankheitsbilder. […] Kein Remake, eine Reanimation – und eine doppelte Rückkehr: Wie März, ein Künstlerleben hier gesehen wird, holt das Schauspiel zurück in die Gegenwart.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2015

Hervorragend ist einmal mehr das Ensemble. Dank der empathischen Psychologisierung aller Rollen, dank des mehrfachen Rollenwechsels der meisten Darsteller wird man am Ende ein Herz für diese verzweifelten Menschen haben und dank dieser von Müller-Elmau angefertigten Textmontage erkennen, wie nah Wahrheit und Wahnsinn oft beieinander liegen. […] Die Mutter und Doktorin versieht die großartige Manuela Alphons mit der Barschheit einer Lageraufseherin, weinselig-debil spielt Winfried Küppers, cool lächelnd Daniel Fries, vielschichtig Jonas Gruber.
Rheinische Post, 27.04.15

Das Regiekonzept geht vor allem deswegen so eindrucksvoll auf, weil die Darsteller ihre Figuren virtuos mehrschichtig vorführen: mal tragikomisch, wenn etwa Winfried Küppers ein Orchester der Stille dirigiert, mal schockierend und abstoßend, wenn Jakob Schneider als Künstler März beim Anblick der Scham seiner schlafenden Geliebten kaltblütig das Rasiermesser zückt und mal genial, wenn eben dieser grobschlächtige Verrückte scharfsinnige und poetische Verse über sich, die Anstalt und die Erwartungen der Normalen verfasst. […] Das beruhigende Gefühl einer sicheren Position hat dieser Abend nicht zu bieten. Dafür eine großartige Leistung der Schauspieler, eine durchdachte Regie und die Gewissheit, dass keiner ganz heil durchs Leben kommt.
Westdeutsche Zeitung, 27.04.15

Jonas Gruber, Daniel Fries, Bettina Kerl, Winfried Küppers, Manuela Alphons – fast alle spielen mehrere Rollen und schwingen elastisch hin und her mit einem Text, der von der Auflösung der Identität handelt und sich damit nicht abfinden will.
nachtkritik.de, 24.04.2015

BESETZUNG UND TEAM
März – JAKOB SCHNEIDER
Hanna Graetz / Dr. Herbst – KATRIN HAUPTMANN
Prof. Feuerstein / Albert Zenger / Kanadier – JONAS GRUBER
Dr. Kofler / L. Folgner – DANIEL FRIES
Kuhlmann – BETTINA KERL
Ebert / Vater / Dr. Urban – WINFRIED KÜPPERS
Laufer / Dr. Hoffe / Creszenzia / Huber / Mutter – MANUELA ALPHONS
Regie und Bühne – ALEXANDER MÜLLER-ELMAU
Kostüme – JULIA KASCHLINSKI
Musik – FABIAN KALKER
Dramaturgie – DIRK DIEKMANN